Über mich

Meine Eltern, Schwester und ich verließen Deutschland 1938 als ich 13 Jahre alt war. Wir wanderten nach Chile aus, wo ich das Gymnasium und die Kunstakademie Bellas Artes in Santiago besuchte. Ich arbeitete in der Dunkelkammer eines Fotogeschäfts deutscher Emigranten, verbrachte vier Jahre als Lehrling eines guten Portraitfotografen und eröffnete ein Portraitstudio. Als sich im Jahr 1954 eine Möglichkeit ergab reiste ich in die USA wo ich in San Francisco zuerst als Fotograf für die Eisenbahn arbeitete und mich 1960 selbstständig machte.

In Chile hatte ich meine ersten Eindrücke von den Fotos Henry Cartier Bressons und den neurealistischen Filmen aus Italien der 40ger Jahre die meinen Stil für die Zukunft formten. Einige Male, unzufrieden mit flachen an Wänden hängenden Bildern, machte ich dreidimensionale Strukturen, eine davon groß genug um sich darin bewegen zu können. Dies wurden bald im Museum für Moderne Kunst in San Francisco ausgestellt. Da ich weder die Inspiration noch das Interesse besaß diese Linie weiter zu verfolgen wendete ich mich wieder der ironisch-melancholischen Mitteleuropäischen Grauskala zu in der ich mich zu Hause fühlte – und es immer noch tue.

Nach 30 Jahren verließ ich San Francisco und lebte in verschiedenen Ländern bevor ich wieder zurück nach Deutschland kam. Dabei hatte ich immer meine Heimat in meiner Kameratasche und in meinen Dunkelkammern bei mir. In den Augenblicken in denen es unerwartete Treffen von Zeiten, Gestalten und mir gibt weiß ich wo ich hingehöre, und das kann irgendwo sein.

Meine Ästhetik bleibt Mitteleuropäisch. Ich verstehe und respektiere andere, abenteuerlichere Gesichtspunkte, und ich lernte das die meinige weniger mit den Subjekten und Objekten zu tun hat als mit deren Anthropomorphie. Die Formen die mich locken, können symmetrisch oder chaotisch sein. In der Symmetrie werden die kleinsten Veränderungen wichtig und im Chaos ist es der Moment wenn eine Konstellation vorbei blitzt die eine andere Wirklichkeit andeutet. Als ich in Deutschland noch keine Dunkelkammer besaß kaufte ich eine Digitalkamera die mir aufregende Farbmöglichkeiten eröffnete, ohne dass ich mich von der Schwarzweißfotografie trennen musste.

Weder der Armut noch dem Reichtum folgend arbeite ich in dem Milieu der Mittelklasse - in der ich mich wohl fühle. Ich frage mich immer wieder ob ich nicht gesellschaftlich kritischer sein sollte, und antworte dass die Welt mein Gewissen nicht braucht. Wenn sie mich überhaupt braucht so ist es dort wo ich am besten arbeiten kann.

Jetzt schaut es Euch selber an